Erschöpft steige ich aus dem Kanu. Im Fackellicht erkenne ich auch bei Michel ein paar Schweißtropfen auf der Stirn und seine Arme zeigen ein leichtes Zittern. Noch während der Adrenalinschub ausklingt und die Jubelrufe langsam verstummen, werfe ich einen Blick auf die Stoppuhr und beginne zu realisieren: „Wir haben versagt“!

 – 2 Wochen zuvor –

„Wo zum Teufel sollen wir ein Frettchen herbekommen?“ fragt Anna als wir gemeinsam die Gepäckliste durchgehen und die unterschiedlichsten Gepäckstücke (wie Schlittschuhe, Paddel, und Fahrradhelm) auf die Gruppenmitglieder verteilen. Uns war allen klar, dass die Roverrunde „feuerfrei“ als Veranstalter eine Verwirrungsstrategie verfolgte, doch es war uns ebenfalls bewusst, dass eben diese Runde, nur voller verrückter Ideen steckte und wenn sie wollte, auch ein Elefantenrennen durchführen würden. Nichts desto trotz entschieden wir uns nach einer kurzen Debatte, welches Kuscheltierfrettchen das süßeste sei, dagegen eines zu besorgen. Wir verteilten noch ein paar Aufgaben, sprachen einen gemeinsamen Schlachtruf ab und beendeten damit unsere Vorbereitungen.

 Wir finden uns dann Freitag an dem Ort ein, an dem schon manch großes Abenteuer den Anfang gefunden hat, namentlich auf der Steinhagener Quellentalwiese am Fuße des Teutoburger Waldes. Je mehr Stunden verstreichen, desto höher wird die innere Anspannung, welche dann schließlich ihren Höhepunkt am Samstagmorgen findet. Denn als die Regeln, Aufgaben und die Karte mit den Posten verteilt werden ist spätestens jetzt allen der Ernst der Lage bewusst. Rover aus den anderen Roverrunden, die noch am Vortag angereist und wir herzlich begrüßten, werden von nun an nur noch als der Feind betrachtet. Denn wie jeder weiß, geht es beim Roverlauf nur darum zu gewinnen und Ausreden wie „dabei sein ist alles“ werden nicht toleriert.

Wir finden uns also schnell zusammen und beginnen eine Route zu planen um so viele Posten wie möglich abzuarbeiten und am Abend wieder am Lagerplatz zu landen. Berufsbedingt sind mir das „Problem des Handlungsreisenden“ und verschiedenen Lösungsstrategien zwar durchaus geläufig, allerdings wurde das Problem komplexer und in der Kürze der Zeit unlösbar, da heute der gesamte ÖPNV außerhalb des Plans fährt und auch noch mancher zu besuchende Ort aktuell unbekannt ist. Dies liegt daran, dass wir noch zusätzlich verschiedene Rätsel bekommen haben, welche als Lösung einen Ort haben, der von unserer Gruppe bereist und fotografiert werden muss.

Da wir als gebürtige Steinhagener die Abfahrtszeiten des Haller Willem natürlich im Kopf haben, entschließen wir uns ganz gemütlich noch zu frühstücken, den Rucksack zu packen und den Zug dann 30 Minuten später zu nehmen. Fünf Minuten vor Zeit am Bahnhof angekommen, spielen wir Karten um die Zeit zu vertreiben. Als nach 20 Minuten noch kein Zug eingefahren ist, wird der Erste dann doch etwas misstrauisch, wirft einen Blick auf dem Fahrplan und stellt fest, dass am Samstagmorgen die Züge wohl doch nicht halbstündlich fahren. Shit happens, weiter geht’s mit der nächste Runde Durak.

Roverrunde vor der Sparrenburg

Nach diesem eher suboptimalen Start verliefen die folgenden Posten allerdings recht gut. Ob es das Wassertransportieren mit nichts als Klebeband, das Feuermachen bis zum erstem „Pop“ eines Maiskorns oder das Gummibärchen-weitwerfen-mit-Mund-auffangen war, wir waren überall gut gelaunt und voll motiviert dabei.

Parallel zum Postenbesuchen wurden wir noch halbstündlich benachrichtigt, wo sich gerade Mister X aufhält. Diesen zu fangen, bringt der Gruppe so viele Punkte, wie ein kompletter Posten, so dass auch wir motiviert waren, heute mit einem besonders offenen Auge durch die Stadt zu gehen. Unser Fokus lag allerdings nicht auf der Jagd nach ihm, sondern weiterhin auf dem Besuchen möglichst vieler Posten.

Gegen 18 Uhr treffen wir dann recht zeitgleich mit einem Großteil der anderen Gruppen am Lagerplatz ein. Wir tauschen uns etwas aus, nur um zu erfahren, dass alle Gruppen mindestens einen Posten mehr als wir geschafft haben. Da fällt einem der morgendliche Leichtsinn dann doch noch auf die Füße…

Doch nicht so sehr entmutigt, dass uns der Hunger verging, stürzen wir uns auf das Nudelbuffet, welches die Runde feuerfrei mit Unterstützung von ein paar Helfern aus der fleißigen Mannschaft zubereitet hat (sehr lecker).

Nach dem spülen geht es auch schon weiter, Sarah instruiert uns noch Paddel, Schwimmweste und Badesachen zu holen und anschließend wandern wir zum Platz des Showdowns. Versteckt im Wald offenbart uns eine Lichtung eine bunt beleuchtete Bühne, daneben eine Bar und ein Wettstudio. Auch den anderen Sinnen wird einiges geboten, als Grillgeruch in die Nase strömt, (alkoholfreie) Cocktails gemixt werden und lustige Musik erklingt.

Der Prozess war nun folgender: Die Gruppen spielen verschiedene Spiele gegeneinander und können dadurch Punkte erlangen. Sobald jede Gruppe gespielt hat wird die Platzierung neu berechnet und die letzte Roverrunde scheidet aus. Dies wird solange wiederholt, bis ein Gewinner feststeht. Währenddessen können die Roverrunden auch mit Sarahdollars auf die Ausgänge der einzelnen Spiele wetten. So entsteht schnell ein ganz eigener Wettkampf voller Wettmanipulation, Absprachen und Intrigen um das meiste Geld zu gewinnen.

Schließlich gibt es neben unserer nur noch zwei Roverrunden und es kommt zu der, für uns alles entscheidenden, Herausforderung. Es wurde ein Kanu auf zwei Rollbretter gebunden und jetzt sollen wir mit diesem Kanu auf dem Parkplatzt des Berghotel Quellental eine Strecke abfahren. Natürlich gewinnt die schnellste Gruppe. Zwei Personen müssen in das Kanu und es bewegen indem sie sich mit den Paddeln vom Asphalt abstoßen. Bei dieser Disziplin war also Kraft, Ausdauer aber auch Geschick gefragt. Denn wenn der Winkel zu flach angesetzt wird, rutscht das Paddel ab. Wir es zu steil angesetzt verschenkt man Geschwindigkeit.

Ich steige mit Michel ins Boot und wir beginnen uns fortzubewegen. Die erste Hälfte der Runde ist kein großes Problem, denn hier geht es leicht bergab. Doch danach erinnerte unser Vorankommen an die Geschichte des Sisyphos, denn nicht nur einmal rollen wir nach viel Anstrengung auch wieder ein paar Meter zurück und müssen von neuem beginnen.

Das Ende vom Lied, so schließt sich der Kreis zum zugegeben etwas reißerischem Anfang, ist, dass wir bei diesem Spiel den letzten und insgesamt den dritten Platz gemacht haben. Ich persönlich bin sehr zufrieden mit dieser Platzierung und bin auch sehr glücklich darüber, die anderen Roverrunden als äußerst faire und sportlich Konkurrenten in Erinnerung zu behalten.

Die Platzierung ist final nun: „Grafen vom Berg“, „Pampasfüchse“, „Königskobra“, „Roter Rabe“, „Feuerparsifanten“ (Bundesroverrunde), „Hydra“ und „Schattenwolf“.

Es bleibt mir nur, mich für dieses tolle Wochenende zu bedanken und anzumerken, dass die ein oder andere nicht hier niedergeschriebene Anekdote mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird und falls auch du sie hören möchtest, sprich mich doch einfach beim nächstem Schnack am Lagerfeuer darauf an.

 
Gut Pfad und bis zum nächsten Mal
Hannes

 

 

PS: Im übrigem handelte es sich beim Frettchen um einen Schreibfehler. Es sollte eigentlich Brettchen heißen ;)

 

Dieser Text von Hannes Kühl wurde ihnen präsentiert von Davids Nähkästchen.