Das Sommerlager 2018

Langsam verschwimmt die weiße Steilküste Dovers zu einer blassen Linie am Horizont. Unsere Wölflinge haben an Bord der Fähre mit ihren Kugelschreibern ein Tätowierstudio eröffnet, der Rest unterhält sich, kämpft mit dem Seegang oder hängt einfach den Erlebnissen nach.

Acht Tage zuvor hatte uns England mit diesen Felsen willkommen geheißen, einige Stunden vor unserer Ankunft am Showground von Newbury, auf dem über 2000 Pfadfinder aus 23 Ländern ihre Zelte aufgeschlagen hatten.

Noch am selben Abend sammelten sich die einzelnen Subcamps um mehr oder weniger geordnet als lange Reihe zum Fahnenplatz zu gehen, wo mit dem Hissen der Fahnen das Lager eröffnet werden sollte. Es wurde eine Feuerschale entzündet, die mit der Asche des letzten WFIS-Lagers dessen Tradition fortsetzen sollte. Als es gelungen war, eine Fackel daran zu entzünden wurde damit ein Lagerfeuer entfacht, das mit einer internationalen Singerunde den Tag ausklingen ließ.

Der nächste Tag brach ebenso stürmisch an wie der vergangene geendet hatte, nur wesentlich nasser. Nach dem Frühstück waren Kennenlernspiele geplant, denen man auf Grund der Wetterlage mit gemischten Gefühlen entgegen sah, spätestens als die mit Regenhosen ausgerüsteten Spanier zum Spielen im Sitzen auf der nassen Wiese aufforderten. Durch einige Runden Ringtennis im Anschluss konnten die durchweichten Hosen wieder gerächt werden und bis zum Mittagessen hob sich die Laune wieder.

Was das Essen betraf, kamen nur leise Proteste wegen der viel zu kleinen Portionen auf, da wohl das WFIS-Lager in Italien vor vier Jahren diesbezüglich alles Erdenkliche unterboten hatte. Typisch englisch standen jeden Tag unter anderem Fish & Chips zum Mittagessen sowie Porridge zum Frühstück zu Auswahl.

Am Nachmittag erhielt unser subcamp ein Lagertor sowie einen kleinen Mülltüten-Halter aus den zur Verfügung gestellten Stangen.

Der Montag verging durch zahlreiche abwechslungsreiche Aktivitäten wie im Flug. Wir konnten Leder stempeln, Kerzen gießen, Freundschaftsbändchen knoten und haben kleinere Wettkämpfe im Kartfahren, Wetthüpfen ausgetragen sowie Pläne geschmiedet, den riesigen Gummiball zu entführen. Dominique hat sich sogar einen Platz beim Hasen ausnehmen gesichert, den er allerdings mit anhaltendem Hasengeruch an den Händen bezahlen musste.

Am Dienstag standen die ersten Ausflüge an. Die Wölflinge durften sich Stonehenge und Winchester anschauen, die Pfadis haben einen Tag in London verbracht und die Rover sowie die meisten Mannschaftler haben der Queen in Windsor Castle einen Besuch abgestattet. Leider ist unser Bus nach Stonehenge zu spät abgefahren und es blieb kaum mehr Zeit als für eine Mittagspause im Schatten der geheimnisvollen Steine, deren Zweck bis heute nicht ganz geklärt ist, und Fotos vom mit den Wölflingen nachgebauten „Humanhenge“. Jens hat dabei die Rolle als Fremdenführer übernommen und uns mit einigen Informationen gefüttert, die er ganz offensichtlich einem chinesischen Infoblatt entnahm.

Winchester ist eine der ältesten Städte Englands und sieht aus, wie aus der Zeit gefallen und irrtümlich im 21. Jahrhundert gelandet. Hier kam es zu einer der kleinen Katastrophen der Reise als der Rucksack mit den Reisedokumenten der Wölflinge gestohlen wurde und trotz aller Bemühungen der Polizei und Hilfe der anderen Pfadfindergruppen verschwunden blieb. Dies bescherte Dominique, Marcel und den Wölflingen einen Ausflug zur deutschen Botschaft in London sowie einiges Organisieren mit den zum Glück verständnisvollen Eltern. Schließlich konnten sie alles regeln und niemand musste in England zurückgelassen werden.

Der Mittwoch begann früh und kalt um vier mit dem Scouting Sunrise. Mit symbolischen Teelichtern sollte sich jeder auf seine innere Sonne besinnen, auf all die schönen Momente im Leben und darauf, was ihn antreibt. In der anschließenden Verleihungszeremonie erhielt Hannes sein weißes Knotenschild, herzlichen Glückwunsch noch einmal hierzu!

Der Morgen brachte schließlich doch noch die Wärme mit und gegen Mittag wurde es sogar richtig heiß. Neben der Möglichkeit zu Wasserschlachten bot der Tag erneut verschiedene Aktivitäten wie Axtwerfen und Luftgewehr schießen, einem meiner persönlichen Highlights des Lagers. Während der zum Kartenspielen genutzten Wartezeit gab es außerdem wechselseitige Wasserpistolenangriffe.

Am Donnerstag wartete ein ganz besonderer Ausflug auf uns: die Brownsea Island, auf der 1907 das erste Pfadfinderlager stattfand. Doch abgesehen von der historischen Luft bot die unter Naturschutz stehende Insel mit ihren Kiefernwäldchen, bernsteinfarbenen Kiesstränden und freilaufenden Pfauen noch viel mehr zu sehen. Das Quiz, das wir lösen durften, führte uns über die ganze Insel und zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Für den letzten Tag gab es einen Parcours, den die Pfadfinder absolvierten und danach entwickelte sich ein Ringkampf, den zunächst die italienische Übermacht meist für sich entscheiden konnte. Doch nach einigem Feilen an der Taktik gewann auch mal der PbW, herzlichen Glückwunsch an Hannah!

Zum Abschluss wurde ein internationaler Markt veranstaltet, bei dem die einzelnen Bünde und Stämme für ihr Land typische Spezialitäten vorstellten. Während der PbW den Aufbau einer Kohte demonstrierte, konnte man an anderen Ständen schweizerisches Schokoladenfondue oder rumänisches Quittenkompott genießen. Außerdem bot sich natürlich die Möglichkeit, Halstücher und Abzeichen zu tauschen, wobei teilweise heftig gefeilscht wurde.

Am Abend wurde dann mit einem erneuten Fahnenappell und einem großen Luftfoto das WFIS-Eurocamp 2018 offiziell beendet. Herzlichen Dank an alle, die dieses riesige Lager möglich gemacht haben und an Sarah, die von einem Meeting zum anderen gerannt ist um uns rechtzeitig mit den nötigen Informationen zu versorgen!

Als nun am nächsten Tag England langsam am Horizont verschwindet, bin ich mir sicher, dass jeder etwas ganz persönliches von dieser Fahrt mitgenommen hat, neue Freundschaften, neue Lieder, Momente auf der Kamera festgehalten oder im Kopf gespeichert und natürlich viele internationale Pfadfindererfahrungen.

 

Dieser Text stammt von Laura Günther und wurde ihnen präsentiert von Davids Nähkästchen

P.S.: Hier ein kleiner Artikel vom Westfalen-Blatt über das Sommerlager: http://m.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Guetersloh/Steinhagen/3462073-Steinhagener-Stamm-Roter-Milan-schwaermt-von-der-Teilnahme-am-Eurocamp-in-England-Die-Wiege-der-Pfadfinderei-besucht