Der Pfadfinderstufe, die wie alle unsere Gruppen durch die Coronamaßnahmen unter Pfadfindereientzug litt, juckte es diesen Sommer in den Fingern. Und so planten sie wild drauflos und stellten eine Tagesaktion auf die Beine, die an einem der letzten warmen Sommerwochenenden stattfinden sollte. Wir als Stammesführung wurden auch eingeladen, allerdings als Kontrahenten! Die Pfadis hatten sich nämlich überlegt nach dem Vorbild von „Schlag den Raab“ die Stammesführung herauszufordern. Das war ungewohnt, denn unser Arbeitsalltag als Stammesführung ist schon lange nicht mehr durch Wettbewerb geprägt. Doch das schreckte uns nicht ab und in uns wuchs die Vorfreude sich „den Kleinen“ gegenüber zu beweisen.

So fanden wir uns an einem sonnigen Samstagmorgen auf der Quellentalwiese ein, unwissend welche Aufgaben auf uns warteten. Was folgte war ein Tag voller Aktion und Herausforderungen und einem sehr knappen Ausgang.

Das erste Spiel fragte klassisches Pfadfinderwissen ab: Knoten. Dort war die Aufgabe einen Knoten hinter dem Rücken zu erfühlen, den Namen des erfühlten Knotens auf einen Zettel zu schreiben und an den Teamkameraden weiterzureichen, der dann diesen Knoten knoten sollte. Wer diesen Prozess als erster vollendet bekam einen Punkt. In diesem Spiel kam die gesamte Raffinesse der Stammesführung zum Tragen; Hannes knotete Knoten auf Verdacht vor, wir verkürzten den Namen des Achterknotens auf eine 8 und so weiter. So gelang es uns das erste Spiel zu gewinnen und den ersten Punkt des Tages zu erkämpfen.

Das zweite Spiel fragte gleichzeitig Gruppendynamik und Naturkenntnis ab. Man bekam wie im Spiel „Moor überqueren“ 3 Platten auf denen man stehen durfte. Ansonsten wurde jede Bodenberührung mit einem Handicap wie Hände zusammenbinden oder Augen verbinden bestraft. Die eigentliche Aufgabe war allerdings Bilder von Tieren und deren Spuren, sowie Bäume und deren Früchte/Rinde einzusammeln und einander zuzuordnen. Dort hielten wir uns wieder für gewitzt und ließen Hannes und Dominique zu zweit auf einer Platte stehen, sodass ich auf zwei Platten über das Spielfeld lief und alle Zettel einsammeln konnte. Leider misslang uns das zuordnen, sodass wir zwar schneller waren, aber die Pfadis das Spiel gewannen. Wie bei „Schlag den Raab“ gab es für das zweite Spiel also auch 2 Punkte. Es stand also 2:1 für den Trupp.

Es folgte ein Spiel über Allgemeinwissen, das die Pfadis gewannen, weil wir Lücken beim Wissen über bspw. Buddhismus oder die Länge des Verdauungstrakts hatten und deutlich schlechter als der Trupp schätzen können. Das Pfadfinderwissen‑Memory konnten wir aufgrund von ein wenig Glück und blasser Erinnerung für uns entscheiden.

Und dann kam es zu einem Spiel, an dem viele Herzen hingen: Zeltaufbau. Dort war die Aufgabe mittels Schnüren und einem Haken vier Pakete, die die Kothe enthielten, aus einem gewissen Bereich zu angeln und danach die Kothe in diesem Bereich aufzubauen. Doch damit nicht genug. Danach musste die Kothe wieder abgebaut und an anderer Stelle aufgebaut werden. (Der Trupp musste dabei noch drei Mal um den Bannermast laufen, weil sie zu acht und wir zu dritt waren). Man merkte während des Spiels wie alle ihr Bestes geben wollten: Die Bewegungen wurden hektischer und die Kommunikation bissiger. Und das nicht ohne Grund, denn es war ein Kopf‑an‑Kopf‑Rennen. Am Ende ging es um Sekunden und jeden kleinen Fehler. Das war auch das, was uns hinterher rettete: Beide Teams hatten beim Knüpfen Fehler gemacht, doch uns gelang es Sekunden vor dem Trupp unsere zu beheben, sodass wir mit Erleichterung „Fertig“ brüllen konnten und das Spiel gewannen.

In den kommenden Aufgaben ging es weiter Kopf an Kopf: Seilbrücke ging an die Pfadfinder, 1.Hilfe an die Stammesführung, sodass am Ende des Tages das Spiel „Strickleiter“ alles entscheiden sollte. Aufgabe war es, eine Strickleiter zu bauen, in fünf Metern Höhe anzubringen und hinaufzuklettern. Schon beim Bau der Strickleiter wurden sich gegenseitig die Stöcker gestohlen, beim Hochziehen schielte man rüber zur anderen Gruppe, wie weit die denn wohl seien, und beim Hochklettern wurden die Kandidaten aus voller Kehle angefeuert. Doch es konnte nur einen Gewinner geben und auch wenn ich diesen Artikel aus Freude an der Aktion schreibe, passt es doch zum alten Sprichwort:

Die Geschichte wird von Siegern geschrieben.

Nichtsdestotrotz kann ich berichten, dass alle Beteiligten an der Aktion so viel Spaß hatten, dass sie bestimmt wiederholt wird und wer weiß, wie es das nächste Mal ausgeht…

Gut Pfad
Simon