Es begann an einem verregneten Donnerstagmorgen. Ich (Simon) packte die letzten Sachen für die kommende Fahrradtour ein und schwang mich auf mein Rad um wasserdicht eingepackt zu Hannes nach Steinhagen zu fahren. Dort sollte unsere viertägige Fahrradtour zur Nordsee (Emden) über den Hase-Ems-Radweg starten. Als ich bei Hannes ankam musste ich feststellen, dass meine regendichte Ausstattung doch Wasser durchlies. Aber meine gute Laune ließ mich darüber hinwegsehen und so fuhren wir ganz nach dem Pfadfindergesetz frohen Mutes durch den Regen unsere ersten Kilometer. Mit den 14 kg Gepäck jeweils waren wir deutlich langsamer als gewohnt und insbesondere die Hügel am Anfang unserer Tour zwangen uns im ersten Gang über diese zu schleichen.

So erreichten wir unser erstes Zwischenziel (Osnabrück) in dem wir unser Proviant für den kommenden Tag einkauften und kamen am Abend im noch immer andauernden Regen in Bersenbrück an. Dort mussten wir feststellen, dass es anscheinend drei verschiedene Typen von Gaskartuschen gibt; die zum Einstechen, die zum Aufschrauben und die zum Aufstecken. Unsere Kartusche war natürlich nicht mit unserem Brenner kompatibel.... Daher begaben wir uns des Abends noch auf die Suche nach Spiritus, da ich aus Versehen denn Spiritusbrenner noch mitgenommen hatte, der uns in dem Fall die Mahlzeit rettete. Im Zelt spielten wir dann die erste von vielen Schachpartien auf dieser Reise.
Für den nächsten Tag war nur wenig Regen angesagt und so fuhren wir nicht mehr ganz so motiviert, da unsere Sachen noch nass waren, aber froh über das wacklige, wenn auch regenfreie, Wetter unsere zweite Tagesdistanz von ca. 80 km. Dabei entwickelten wir diverse Taktiken unsere Sachen außen ans Fahrrad zu hängen, um diese durch den Fahrtwind zu trocknen. Dies gelang uns ganz gut, sodass wir in der Schutzhütte, in die wir am Abend kamen, nur noch unser Zelt zu trocknen hatten, das wir darin senkrecht aufbauten und daneben schliefen. Der mittlerweile routinierte Blick in den Wetterbericht hatte uns für den nächsten Tag 'Regen ab Mittag' angesagt, den wir auf jeden Fall verpassen wollten (Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns das erste Mal gefragt, ob wir schon unter einem Regentrauma leiden.). Um unsere angepeilte Distanz von 75 km am kommenden Tag zu schaffen, stellten wir uns den Wecker auf 6 Uhr, um möglichst viel zu schaffen, bevor der Regen uns erfassen würde.
Der nächste morgen war kalt. In der Früh hatte es satte 7, aber gefühlte 4°C, sodass wir uns so dick wie möglich einpackten und uns gegenseitig versicherten, dass uns beim Fahren schon warm werden würde. Zu unserem Glück war dies auch der Fall und zur Mittagszeit hatten wir unsere Kilometer geschafft. Der Regen ließ jedoch auf sich warten. Es tropfte zwar schon hin und wieder, aber ein Dauerregen wie wir ihn befürchteten blieb aus. Also beschlossen wir so viel Strecke wie möglich zu schaffen, um am nächsten Tag (Sonntag) nicht so viel im wieder angesagten Regen fahren zu müssen. Als wir am Samstagabend in Ditzum ankamen stellten wir stolz fest, dass wir an diesem Tag 120 km gefahren waren und eine Emsüberquerung und 10 Kilometerchen von unserem Ziel entfernt waren. Allerdings haben wir dafür auch einen Preis bezahlt: Mein Innenband im linken Knie war am Meckern, wir hatten beide aufkommenden Muskelkater in allen möglichen Stellen unserer Beine und uns taten trotz Radlerhose die Hintern weh, dass wir beim Fahren regelmäßige "Popo-Pausen" einführen mussten.
Der Sonntag gestaltete sich durch die vorher gefahrene Mega-Etappe sehr entspannt; Es regnete zwar wieder, aber wir genossen trotz aller Wehwehchen die letzten Kilometer unserer Fahrt und ließen es uns in unseren Ziel in Emden im Schwimmbad gut gehen. Gegen Abend besannen wir uns aber wieder unserer Fahrtenidee: Wir wollten ja an die Nordsee fahren! Wie könnten wir es also wagen am nächsten Morgen den Zug nach Hause zu nehmen und an der Nordsee gewesen zu sein, ohne IN der Nordsee gewesen zu sein?!? Es gab also noch etwas zu tun: Wir griffen unsere Badehosen und gingen an die Küste. Dort gipfelte unsere Fahrt in dem, was sie am besten konnte: Kalt und nass sein. Dieses Mal allerdings freiwillig, was das Ganze deutlich spaßiger gestaltete.
Und so ging es an jenem Abend mit dem wohligen Gefühl alles geschafft zu haben ins Bett und am nächsten Morgen in den Zug nach Hause. 

So eine Tour kann ich jedem empfehlen, der das Gefühl hat mal wieder richtig raus zu müssen und etwas erleben möchte! Trotz aller Widrigkeiten war es ein großer Spaß.

Gut Pfad 

Simon (und Hannes)